Theater Handstand Gruppe

Zur Gruppe und unserer Arbeitsweise

Der Beginn

Vor 18 Jahren wurde die Theatergruppe von Johanna Thoma gegründet. Die gemeinsame "Forschungsreise" von schwerhörigen, gehörlosen und hörenden Menschen begann, diese kamen zum größten Teil ohne jede Theatererfahrung, zum kleineren Teil mit einer gewissen Erfahrung in Tanz-oder Theaterarbeit in die Gruppe. Zuerst galt es, die "GebärdensprachlerInnen und "LautsprachlerInnen" zu einer Gruppe zusammenzuführen, mit verschiedenen Techniken der Theater-und Tanzarbeit schauspielerische und damit persönliche Fähigkeiten zu entwickeln.

Unsere Arbeitsweise

Zuerst haben wir mit selbstgefundenen Texten, die durch Malen und Improvisieren mit Objekten entstanden sind, gearbeitet, diese dann in Gebärdensprache umgeformt. Die Gestaltungsmöglichkeiten von Gebärdenfolgen traten mehr und mehr in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Wir "spielten" mit den Elementen der Bewegungsimprovisation mit den Gebärden: Groß-klein, schnell-langsam, fließend-staccato-chaotisch-lyrisch-eher"bewegungs-still", alleine-zusammen, im Chor, als Kanon, durch den Raum und die Raumebenen getragen oder am Platz......Gebärdenpoesie! Wir starteten die ersten Versuche mit literarischen Vorlagen und blieben bei Textbeispielen aus Shakespeares "Ein Sommernachtstraum".

Die Entwicklung des 1. Theaterstücks

Zu Beginn des Jahres 2001 fiel die Entscheidung, dass wir nach drei Arbeitsdemonstrationen eine "richtige" Aufführung für gehörloses und hörendes Publikum machen wollten, in Gebärden-und Lautsprache. Im Herbst 2001 fanden wir endlich unseren Namen: "Theater HandStand".

Neue Fragen galt es zu erforschen

Wie kann man in Lautsprache und Gebärdensprache aufführen, ohne nur ins Dolmetschen zu geraten? Wie können beide Sprachen in einer gewissen Gleichzeitigkeit präsentiert werden? Wieviel "Nichtverstehen" und nur "Schauenmüssen" kann den Zuschauern zugemutet werden? Wieviel Musik lässt ein gehörloser Mensch rein sehend über sich ergehen, und wieviel stille, für LautsprachlerInnen unverständliche Dialoge hält ein ans "laute Wort" gewöhnter Mensch aus? Wie können wir bei einer lebendigen Arbeitsweise bleiben, ohne uns im Improvisieren und Ausprobieren zu verlieren? Wie kann das von einzelnen Teilnehmern oder kleineren Gruppen erfundene Material in die Gesamtkonzeption der Inszenierung eingebaut werden, ohne dass der "Gesamtrhythmus" des Stücks auseinanderfällt.? Wie meistern wir diese Herausforderung: Das Verständlichmachen des lautsprachlichen Bildes aus dem Shakespearetext, dann das Verstandene in Gebärdensprache übersetzen und dafür wieder poetische, gebärdensprachliche Bilder finden. Was für ein komplizierter Weg, wenn man bedenkt, dass wir ja bereits von einer übersetzung des Shakespeare-Englisch (von Frank Günter) ausgehen.Wo steckt das "Shakespearerische" in der Gebärdensprache? Haben wir es geschafft, etwas davon zu transportieren?!

Die Aufführungen

Unserer Arbeitsweise treu bleibend hat sich das Stück von Aufführung zu Aufführung weiterentwickelt. Zwei Jahre lang haben wir unseren "Sommernachtstraum" in verschiedenen Städten gespielt, viel Begeisterung und Dankbarkeit erfahren und interessante Kritik. Drei Rollen mussten zeitweise mit neuen Leuten besetzt werden, weil das "ganz normale Leben" auch weiterging: Prüfungen, Kinderkriegen, u.A..

DVD-Theaterfilm

Im April 2004 wurde das Stück noch ein letztes Mal filmisch aufgezeichnet, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg. Die DVD enthält zusätzlich zu der Aufzeichnung des "Sommernachtstraums" im Anhang Interviewausschnitte mit den "HandStändlerInnen" und eine kleine Geschichte der ersten HandStand-Jahre in Bildern. Die DVD kann unter unserer e-mail-adresse, per Fax, Telefon oder Postanschrift bestellt werden.

Die Entwicklung des neuen Theaterstücks

Nach unserer letzten Aufführung von "Ein Sommernachtstraum" begann eine Phase, in der wir zwei neue Spieler und zwei neue Spielerinnen in unsere Gruppe aufnahmen. Die "Neuen" sollten unsere Arbeitsweise kennenlernen und alle übten sich weiter in unseren oben beschriebenen Spieltechniken. Die Entscheidung für unser neues Stück fiel auf Grund von hauptsächlich zwei Grundentscheidungen: Ein weiterer "Klassiker" sollte für gehörlose Zuschauer zugänglich gemacht werden. Neben "Menschen" sollten andere "Welten" vorkommen wie z. B. "Geisterwelten ", um für die Inszenierung die Möglichkeiten einer zweiten "Spielebene" zu haben, um Gebärden - und Lautsprache miteinander zu verweben. So kamen wir auf "Faust 1" von J. W. v. Goethe. Die Prinzipien unserer Arbeitsweise sollten weitergeführt werden: Choreographien und Gestaltung der Texte entstehen miteinander, werden immer wieder gezeigt, neue Impulse werden gegeben, es wird weiter ausprobiert. Das so entstandene Material wird von der Leiterin der Gruppe immer wieder gesichtet, bearbeitet und zu einer Gesamtinszenierung zusammengeführt. So lautet der Titel unserer Inszenierung von Goethes "Faust 1": "HandStand begegnet Faust".

Weitere Einzelheiten zu unserer Inszenierung >> Theaterstücke

Theaterfilm zu "HandStand begegnet Faust"

Viele Menschen haben großes Interesse an unserer Arbeit gezeigt. So kam die Idee auf, die Erarbeitung von "HandStand begegnet Faust" von Anfang an filmisch zu begleiten. Bodo Kaiser, ein Filmemacher aus Freiburg, filmte immer wieder wichtige Etappen unserer Arbeit.
Dieser Film zur Entstehung unseres zweiten Theaterstücks wird hoffentlich im Laufe dieses Jahres fertiggestellt. Wenn das Stück dann einige Zeit gespielt worden ist, werden wir auch davon wieder eine Aufzeichnung machen.